Kirche Saint François de Paule

(Bormes-les-Mimosas)

Es ist mir,
als würden die Gedanken leicht,
und die Augen finden
in den Fenstern das Helle.
Die unruhige Seele
findet hier ihren Frieden.

Ich lasse los,
was drängt und fordert,
ich versöhne mich
mit meinen Grenzen.
Meine Verletzungen und Narben
sind Spuren meines reichen Lebens.

Der sakrale Raum
trägt und schützt,
die offene Türe
lädt mich ein,
nach draussen zu gehen,
liebevoll wartet das Leben.

(26-10-07)

Hibiskus mit Hexenschuss

Der arme Hibiskus
aus dem Nachbarsgarten,
kriegte neulich, soviel sei verraten,
einen zünftigen Hexenschuss.
Jetzt steht er schräg in der Landschaft
und jammert vor sich hin.
Was ihm wohl Hilfe verschafft?
Vielleicht ein Aspirin?

Der Physiotherapeut, telefonisch einberufen,
kommt daher gerannt.
Er ruft: «Das ist ja allerhand»
und nimmt gleich drei Gartenstufen.
Mit ein paar Tricks und Salben
bringt er dem Ärmsten Linderung,
jetzt geht es allenthalben,
ich wünsche gute Besserung.


Bei mir sein

Ruhig werden
und leise sein.
Herzwärts träumen-
ankommen bei dir.

Den Gedanken nachhangen
sie wie Seifenblasen
durch den Raum tanzen lassen-
im Hier und Jetzt sein.

Meine Verletzungen ablegen
und meine Grenzen anerkennen,
Licht in meine Ängstlichkeit bringen-
mich versöhnen mit mir.

Aufstehen und Aufbrechen,
die ersten Schritte noch zaghaft,
durchs Fenster scheint der Sommer-
hoffnungsvoll hinausgehen.

Ottilien- Kirche / Tüllinger Hügel
26-05-30

Auszeit

Auszeit
mich aus der Zeit bewegen,
weg von Hektik und Lärm,
vom Alltag und ToDo Listen,
von zerschlagenem Geschirr
und Beziehungen.

Eintauchen
in das Unfassbare,
Schweigen
für das Unausgesprochene,
die Unruhe in mir
sanft ausbalancieren.

Mich beschenken lassen
von der Fülle meines Lebens,
staunen über
die süssen, reifen Reben,
den Gesang einer fernen Amsel
und die Hagebutten am Wegrand.

25-08-16 Tüllinger Hügel

Weg der Stille

Ich grüsse den alten Pilger
er führt mich Schritt um Schritt
hinab in die Stille,
in der Mitte angekommen,
begegne ich dir, dem Ewigen.

In deinem Schweigen
ruhe ich mich aus.
Ich bin, und du bist bei mir
dein Urvertrauen heilt.
Du brichst Brot mit mir
und ich breche auf.

Der alte Pilger kehrt
mit mir ins Leben zurück,
auf der Insel blüht
es frühlingshaft
und aus alten Ästen
treibt das zarte Grün.

26-04-09 Isola Orta

Frühlingswind

Leichter, frischer Wind
wiegt den Frühling
in seinen Armen
hin und her
und summt leise
sein Lied der Sehnsucht.

Adelante!
Es treibt aus Ästen und
tiefschwarzen Böden
vorwärts zum Leben hin.
Aus dunklen Knospen
bricht das Licht.

Bin ich bereit
ins Leben zu springen,
mich zu öffnen für
das neue Unvollkommene,
das da wartet am Wegesrand?
Mit geschlossenen Augen
lasse ich mich berühren.

26-03-25

Tüllinger Hügel

La samba de l’année

Winter

Ich ziehe mich zurück
bin ganz bei mir,
spüre mich und träume
von ewigen Tagen.
Ich atme ein.

Frühling

Ich breche auf,
drehe mich um
meine eigene Achse.
Der Frühlingssturm packt mich
und wirbelt mich
ins Leben hinaus.

Sommer

Ich gönne mir sommernächtelang
fröhlich zu sein und
lasse mich berauschen
von Farben, Ekstase und
sinnlicher Freude.
Ich öffne mich und
atme aus.

Herbst

Ich ernte kostbare, reife Trouvaillen,
süsse Beeren und glänzender Tau,
das Glück streift mich so unverhofft,
wie der letzte warme Sonnenstrahl.
Ich kehre Schritt für Schritt
ganz zu mir zurück.

Bild:  Carla Pinana 
http://www.carlartista.ch/


L’Arbre de l’Amour

Aus meinem tiefsten Innern
sammle ich Glücksmomente ein
und hänge sie zärtlich
an meinem Lebensbaum.

Blutrot leuchtet es aus dem Geäst,
pulsierend, freudig, überschwänglich-
Souvenirs von gelebten Tagen,
von wunschlos glücklichen
und erlebten Freuden.

Ich atme den Duft vom ersten Kuss ein,
das grosse Herz dort gehört dir,
an deinem Ja zu mir, auch heute noch,
an dieser Richtschnur binde ich es fest.

Es summt und schwirrt im Laub,
unbändige Kinderfreude, laut und ansteckend,
kuriose Augenblicke, die kitzeln,
eine leise, berührende Begegnung,
mitten in der Hektik des Alltages.

Ich umkreise meinen Lebensbaum,
wage ein Tänzchen, vielleicht auch zwei.
Ich lege meinen Raupenpanzer ab,
und streife mir Falterflügel über,
ich entfessle mich, fühle mich frei,
der Wind nimmt mich mit,
er trägt mich ins weite Abendrot.

Bild:  Carla Pinana 
http://www.carlartista.ch/