Wie von unsichtbarer Zauberhand,
zeichnet sich rotes Wolkenband
am fernen Himmelszelt,
die müde alte Welt
erwacht mit versponnener Magie.
Ich begreife es nie,
wie sacht und leicht
die Nacht weicht,
so als würde sie es verstehen
und wollte im Vorübergehen
in ihrem sehnenden Verlangen
purpurne Seidenfäden fangen.
Autor: wordsatelierat
Herbstzauber
Ach
wie glänzt der Ahorn golden,
ich fühl mich so himmlisch.
Und auch die Beerendolden
locken mich so verführerisch
aus dem Alltagsgrau heraus
und ziehen mich ins Farbenspiel hinaus.
Denn
selbst im leisen Novembersterben
verschenkt sich der Ahorn mit Farbenmeer.
Ich Glücklicher darf es erben
und weiss doch, bald
ist es öd und leer
ist es bitter kalt.
So
richte ich meine Brille
auf diesen wundervollen Tag,
ich weiss, es ist nicht alles mein Wille,
es mag kommen, wie’s kommen mag.
Ich will mich mit fast allen Feinden versöhnen
und mich heute richtig verwöhnen.
Ich
lass es gut sein
lese Trauben und ein Gedicht,
trinke ersten, reifen Wein
spüre das letzte warme Sonnenlicht
auf meinen Armen
und lass mich fallen in Gottes Erbarmen.
Schattenspiel
Du
versuchst mich
zu fangen,
ich bin dir
immer eine Schattenlänge
voraus.
Du
wirfst dein Licht
nach mir,
ich gehe auf
in dir.
Herbst
Und wenn
die Wildgänse ziehen,
weiss ich,
dass auch unser
Abschied naht.
Unser Zusammensein
trägt schon das Herbstkleid.
Bevor das letzte Blatt fällt,
mal ich in Gedanken
dich zur Unsterblichkeit.
Der Herbstwind mahnt
zum Aufbruch.
Ein letztes warmes Lächeln,
ein letzter zärtlicher Händedruck.
ich schau dir nach,
bis du nur noch
Erinnerung bist.
Dieses Gedicht, Herbst, wurde in die Anthologie der Brentano- Gesellschaft, Frankfurt, aufgenommen. Diese Edition wird in grösseren Staatsbibliotheken, wie Wien, Paris, Berlin, Washinghton, etc. aufgelegt. Das Gedicht ist auf Seite 862 abgedruckt:
Blausee
Ich mache Pause
am Blausee
ich blau seh
in der Pause.
Samenkorn der Hoffnung
Lieber Gott,
lass mich
ein Samenkorn der Hoffnung sein.
Gib mir die Kraft,
dass ich mich loslassen kann
von der Heimat Baum.
Wirf mich in den Wind hinein,
lass mich treiben,
schüttle mich aus der Lethargie.
Und nach dem Sturm
lass mich leis und sanft landen,
damit ich Wurzeln schlagen kann,
damit ich Heimat werde
für andere Samenkörner der Hoffnung.
Reisefieber
Ich reise so gerne in die weite Ferne
bin ein Staunender unter Vielen,
gehe verschlungene, unbekannte Pfade,
bin Marco Polo oder Kolumbus,
und kehr dann doch
gerne wieder nach Hause zurück.
Stolz promeniere ich den Boulevard entlang,
bin ein Geniesser unter Zufriedenen,
bin Sophia Loren oder Greta Garbo,
bin James Dean oder Humphrey Bogart,
und fühl mich doch
am Wohlsten in meiner eigenen Haut.
Ich versuch’s in deiner Sprache
ein Wort im babylonischen Gewirr,
ich rede Englisch, Französisch
e un po d’italiano,
und merk doch,
es ist dein Lächeln, das ich verstehe.
Ich atme fremde Düfte ein,
spüre eine Rose im Blütenmeer,
bin offenen Sinnes und wachen Geistes,
der Alltag entschwebt in den Sternen,
und weiss doch,
er bleibt bei mir.
Ich komme aus der weiten Ferne
heim ins vertraute Nest,
ein Dankeschön aus vielen Erinnerungen,
der Koffer voller Souvenirs
und unerreichbaren Träumen,
und spür doch,
einer wird mir gelingen.
Freund Hein
M
it leisen, sachten Schritten
zieht Freund Hein übers herbstgoldene Land;
du spürst ein Zittern
und zärtlich seine Hand
und hörst ihn sagen komm,
von nun an
bist du mein.
Du hältst den Atem an,
fühlst dich, Falter gleich,
mit dem Lichte fortgetragen
und warm und weich
strömt es in dich hinein.
Um dich Stille, Ruh,
doch aus unbekannten Fernen
erklingen märchenhafte Weisen,
führen dich zu
den Sternen hin.
Mit sachten, leisen
Flügelschwingen ziehst du
sterbend gegen den Himmel zu;
fühlst dich befreit und leicht
und merkst vielleicht,
wie schön das Leben war.
