La samba de l’année

Winter

Ich ziehe mich zurück
bin ganz bei mir,
spüre mich und träume
von ewigen Tagen.
Ich atme ein.

Frühling

Ich breche auf,
drehe mich um
meine eigene Achse.
Der Frühlingssturm packt mich
und wirbelt mich
ins Leben hinaus.

Sommer

Ich gönne mir sommernächtelang
fröhlich zu sein und
lasse mich berauschen
von Farben, Ekstase und
sinnlicher Freude.
Ich öffne mich und
atme aus.

Herbst

Ich ernte kostbare, reife Trouvaillen,
süsse Beeren und glänzender Tau,
das Glück streift mich so unverhofft,
wie der letzte warme Sonnenstrahl.
Ich kehre Schritt für Schritt
ganz zu mir zurück.

Bild:  Carla Pinana 
http://www.carlartista.ch/


L’Arbre de l’Amour

Aus meinem tiefsten Innern
sammle ich Glücksmomente ein
und hänge sie zärtlich
an meinem Lebensbaum.

Blutrot leuchtet es aus dem Geäst,
pulsierend, freudig, überschwänglich-
Souvenirs von gelebten Tagen,
von wunschlos glücklichen
und erlebten Freuden.

Ich atme den Duft vom ersten Kuss ein,
das grosse Herz dort gehört dir,
an deinem Ja zu mir, auch heute noch,
an dieser Richtschnur binde ich es fest.

Es summt und schwirrt im Laub,
unbändige Kinderfreude, laut und ansteckend,
kuriose Augenblicke, die kitzeln,
eine leise, berührende Begegnung,
mitten in der Hektik des Alltages.

Ich umkreise meinen Lebensbaum,
wage ein Tänzchen, vielleicht auch zwei.
Ich lege meinen Raupenpanzer ab,
und streife mir Falterflügel über,
ich entfessle mich, fühle mich frei,
der Wind nimmt mich mit,
er trägt mich ins weite Abendrot.

Bild:  Carla Pinana 
http://www.carlartista.ch/


La samba de l’année

Winter

Ich ziehe mich zurück
bin ganz bei mir,
spüre mich und träume
von ewigen Tagen.
Ich atme ein.

Frühling

Ich breche auf,
drehe mich um
meine eigene Achse.
Der Frühlingssturm packt mich
und wirbelt mich
ins Leben hinaus.

Sommer

Ich gönne mir sommernächtelang
fröhlich zu sein und
lasse mich berauschen
von Farben, Ekstase und
sinnlicher Freude.
Ich öffne mich und
atme aus.

Herbst

Ich ernte kostbare, reife Trouvaillen,
süsse Beeren und glänzender Tau,
das Glück streift mich so unverhofft,
wie der letzte warme Sonnenstrahl.
Ich kehre Schritt für Schritt
ganz zu mir zurück.

Bild:  Carla Pinana 
http://www.carlartista.ch/


Der kleine Drache Balduin

Der kleine Drache Balduin
träumt von einem grossen Bühnenauftritt-
na, vielleicht auch von einem kleinen,
aber Hauptsache, er setzt sich
kunstvoll in Szene und wird
am Ende vielleicht gar entdeckt.
Ja, wer träumt nicht davon,
einmal berühmt zu sein,
Applaus zu erhalten,
für das, was man tut?

Oh wie wunderbar und magisch,
der kleine Drache Balduin erhält seine erste Rolle,
Auftritt in der Mitte des Stückes
gleich nach den schönen Tänzerinnen.
Er mit Soloprogramm, ein kleiner Satz zwar,
eher so ein Fauchen.
Ja, was macht man, wenn einem
das Glück so unverhofft trifft?
Man packt es ganz fest
und lässt es nicht mehr los.

Der kleine Drache Balduin
hat Lampenfieber, mindestens 100 Grad,
der Theaterdirektor eilt zu ihm hin
und macht den Feuerlöscher parat.
Nach dreizehn Gelati und viel Wind,
ist er abgekühlt und freut sich wie ein kleines Kind.
Ja, wer ist nicht schon selbst erschrocken
über seinen jugendlichen Leichtsinn
und manch einer sagt sich später,
nie mehr lasse ich mich darauf ein.

Jetzt ist er da, der grosse Moment,
der kleine Drache Balduin streckt zuerst einmal
den grossen Zeh hinter dem Vorhang empor.
Das Publikum johlt und klatscht begeistert,
doch dem kleinen Star ist das nicht mehr geheuer,
er fällt in Ohnmacht, fertig aus, Ende Feuer.
Ja, wem selbst wurde das auch schon mal zu viel,
dabei war es doch nur ein Spiel?
Das ist ja alles gut und recht,
doch jetzt wird es einem schlecht.

Und der kleine Drache Balduin
rennt nach Hause und freut sich schelmisch,
für meinen kleinen Fuss riss es doch potzplitz,
das Publikum sogar vom Sitz.
Ich bin ein Star, wenn auch nur
mit dem grossen Zeh des linken Fusses.
Ja, wer übertreibt nicht schon mal ein bisschen
und flunkert zwischendurch einmal?
Doch wer bekommt schon mal
Standing Ovation für den grossen Zeh?

Bild:  Carla Pinana 
http://www.carlartista.ch/