Sonntagsspaziergang

Ich gehe achtsam meinen Weg.
Der Wind berührt meine Sinne und Gedanken.
Der Puls schlägt im Einst, im Jetzt und immer.
Schritt für Schritt atme ich ein und aus.

Ich atme aus,
lasse los all das Schwere, Dunkle und Verzweifelte.
Und da, wo es mir nicht gelingt,
lege ich es ins Kästchen «später zu erledigen».
Ich schaffe Raum für Neues.

Ich atme ein,
sammle die letzten Strahlen des Spätsommers,
ein verschmitztes, fröhliches Vogellied
und der Duft von reifen Trauben.
Ich beschenke mich, bin mir selbst lieb.

Bald wende ich mich wieder dem Alltag zu,
es ist noch nicht alles gut, wie es sein sollte,
doch ich vertraue auf meine Schritte und
vielleicht kommt alles anders, und ich hoffe.

Schenk mir dein Gebet

Lieber Gott

Schenk mir dein Gebet,
das meine Lasten trägt,
wenn es mir zu schwer wird;
das mir zur Hoffnung wird,
wenn alles dunkel ist;
das mich fortreisst
aus meiner Lethargie;
das Leben teilt.

Schenk uns dein Gebet,
das uns die Augen öffnet:
der Nächste ist
unser Bruder, unsere Schwester;
das uns hoffnungsvoll
gemeinsam Schritte wagen lässt;
das uns solidarisch macht für
die Sorgen und Nöte
dieser Welt;
das Leben mit uns teilt.

Amen


Komm Heiliger Geist

Manchmal,
da sprechen wir eine Sprache
und sind uns doch
einander fremd.
Komm, Heiliger Geist
schenke uns offene Ohren
und Herzen.

Und dann,
in diesen seltenen Sternenaugenblicken,
reden wir zwar in verschiedenen Sprachen,
doch fühlen wir uns verstanden ganz
sind einander Bruder und Schwester.
Segne uns, Heiliger Geist
mit deiner Liebe.

Amen

(nach Apostelgeschichte 2.1-11)


Segen an Pfingsten

Ruach, Ruach
trage mich fort,
hinaus in den Alltag.
Die Winde stehen günstig.

Ruach, Ruach
hilf mir und stütze mich,
wenn ich alt und gebrechlich bin,
sei du meine liebevoller Begleiterin.

Ruach, Ruach
öffne mir die Augen
für die kleinen Wunder am Wegrand
und das Glück im Hier und Jetzt.

Ruach, Ruach,
segne uns mit deiner Geisteskraft,
sei unter uns, heute und morgen
mit deinem lebensspendenden Atem.

Atem


Weil du mir Vertrauen schenkst.

Sei willkommen, Fremder! Erhole dich von deiner langen Flucht. Lege ab deine schwere Last, dein Trauma, heile deine Wunden.
Ich sage JA zur dir, du bist eine Bereicherung mit deiner Kultur, deinem Glauben und deiner Lebenserfahrung. Und manchmal sage ich NEIN, wenn ich an meine Grenzen stosse.
Ich übe mich in Gastfreundschaft.

Denn du Gott, öffnest mein Herz, himmelweit und bietest mir Raum in deinem Gebet.

Ein Spaziergang in der Natur bringt mich zum Staunen. Die versponnenen Blüten, die mächtigen Bäume und das reife Korn sind Zeichen deiner grossen, unendlichen Liebe. Selbst der Regen macht mir nichts aus, auch wenn ich mich leise ärgere, weil ich den Schirm zuhause vergessen habe. Es ist lebendiges Wasser, das Leben bringt.

Denn du, Heiliger Geist, bist der kreative Schöpfer, schenkst uns Atem und Lebenskraft.

Ich trete ein für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Du Nazarener gehst voran, deinen Fussspuren folge ich gerne. Einige Wege führen mich an den Rand der Gesellschaft. Und manchmal bin ich verzweifelt über diese vielen Ungerechtigkeiten, doch nie resigniert.

Denn du, Jesus, wirfst geduldig immer wieder dein Netz nach mir. Ich darf fallen und werde von dir getragen.

Amen


Schräge Vögel

Wo sind sie geblieben? All die schrägen und verschrobenen Vögel, die es während meiner Kindheit noch gab. Sicher, manchmal haben sie mich geängstigt. Dann und wann habe ich sie auch bewundert, weil sie so bar jeglicher Norm gelebt haben. Oft steckte hinter der rauen Schale ein weicher Kern, ein kindliches Gemüt. Da lief doch tatsächlich ein kauziger Knecht dem Regenbogen entgegen und wollte auf diesem spazieren gehen.

Sie sind heute nicht mehr erwünscht, fallen durch alle Raster, wie man sein sollte und müsste. Wir räumen auf, etikettieren fein säuberlich und stecken sie dann in die entsprechende Schublade. Ihre Andersartigkeiten erhalten neue Namen. Die eine hat ein Asperger Syndrom, ein anderer ADHS und Menschen mit einem Down-Syndrom haben heute Trisomie 21.

Doch das Leben vollzieht sich meistens nicht so gradlinig. Es geschieht mit Brüchen und rauen Flächen, es will gelebt werden, auch an den Rändern. Und gerade das machen Begegnungen und das Aneinanderreiben mit diesen Aussenseitern so spannend und herausfordernd.