Augenschlag

Ich bin
ein Augenschlag
in der ewigen Zeit,
ein Staubkorn
unter den Sternen
ein Schweigen
unter ungezählten Fragen.

Ich bin verwundert
und bin dankbar,
ich bin auserwählt,
ein kleiner Tropfen nur
im grossen Fluss
des Lebenskarusells,
und ich mittendrin.

Ich bin verwoben
mit den Geschichten
von einst und früher,
mein Lachen und Staunen
schenke ich dem Morgen.

Kirche St. Lorenzo, Porto Venere Italien

23-06-01


Kündet allen in der Not

Wir,
die mit krummgebeugten Rücken,
vor dir stehen,
müde sind von diesem Jahr,
das wie ein zerschlissenes Kleid
von den Schultern hängt.
Wir,
die genug haben
von all diesen schlechten Nachrichten
Augen und Ohren verschliessen,
rufen zu dir:
Komm Gott-
Führe uns heraus aus diesem Jammertal.

Wir legen vor dir ab
unsere Schuld, unser Misstrauen,
unsere Zweifel, unsere Ängstlichkeit,
unsere zerplatzten Träume,
Tage, an denen wir versagten
und bringen dir auch
all das Ungesagte.
Komm Gott-
Nimm uns die Schwere.

Die Sehnsucht nach dir
ist wie frisches Wasser,
das Steine in blühende Gärten verwandelt,
ist wie ein Brunnen,
der unseren Lebensdurst stillt.
Komm Gott-
Sei du unsere Quelle.

Wer heim-gesucht wird von dir,
spürt dein wärmendes Licht,
fängt zu danken an,
bricht hoffnungsvoll auf
und wagt Schritte ins Unbekannte.
Die vielen kleinen Wunder
am Wegrand sind deine Zeichen
der Liebe.
Komm Gott-
Finde den Weg zu uns.

Advent-
Wir warten auf das ewige Wunder,
das in der Krippe liegt,
tausendmal besungen und doch
immer wieder von neuem berührt.
Wir warten auf dich
Rabbuni, Menschensohn,
du, der uns Bruder und heilender Tröster bist.
Komm Gott-
Leuchte uns den Weg zum Stall.

(Advents-Andacht 2022
Meditation zum Lied «Kündet allen in der Not»)


Sonntagsspaziergang

Ich gehe achtsam meinen Weg.
Der Wind berührt meine Sinne und Gedanken.
Der Puls schlägt im Einst, im Jetzt und immer.
Schritt für Schritt atme ich ein und aus.

Ich atme aus,
lasse los all das Schwere, Dunkle und Verzweifelte.
Und da, wo es mir nicht gelingt,
lege ich es ins Kästchen «später zu erledigen».
Ich schaffe Raum für Neues.

Ich atme ein,
sammle die letzten Strahlen des Spätsommers,
ein verschmitztes, fröhliches Vogellied
und der Duft von reifen Trauben.
Ich beschenke mich, bin mir selbst lieb.

Bald wende ich mich wieder dem Alltag zu,
es ist noch nicht alles gut, wie es sein sollte,
doch ich vertraue auf meine Schritte und
vielleicht kommt alles anders, und ich hoffe.