Der kleine Knoblauch

Es war einmal ein winzig kleiner Knoblauch. Er war kleiner als ein Fingerhut. Weil die anderen Pflanzen im Garten sich immer vordrängten, wenn die Sonne ihr Licht verschenkte, musste er im Schatten bleiben und blieb klein.

Es tat ihm weh, wenn der Gärtner kam und all das andere Gemüse lobte, weil es so gross geworden war. Den kleinen Knoblauch beachtete er gar nicht.

Eines nachts hörte der Mond ihn weinen und wusste auch bald den Grund. Er erzählte dies der Sonne. Sie versuchte sogleich am nächsten Morgen den kleinen Knoblauch wach zu kitzeln.

Doch die anderen Pflanzen drängten sich gierig nach vorne. Die Sonne wurde darüber so böse, dass sie ihre Strahlen heftig ausstreckte, so dass sich die anderen Pflanzen ihr Blätterkleid verbrannten.
„Der Knoblauch ist schuld!“, schrieen sie und wollten sich auf den Winzling stürzen. Doch er konnte sich im letzten Moment durch ein Mauseloch in Sicherheit bringen.

Er kam am andern Ende auf eine satte Wiese. Er rannte weiter, so schnell ihn seine Knoblauchfüsse tragen konnten. Er lief über hohe Berge und schmale Täler, bis er schliesslich erschöpft in einem Wald Halt machte.

Plötzlich hörte er ein fürchterliches Husten. Er blickte erschreckt um sich und entdeckte ein altes, erkältetes Waldmännchen. Dieses jammerte: „Oh ich darf nicht krank werden. Wer sonst hilft den jungen Hasen aus den Fallen? Wer soll dann dem Fuchs zu fressen bringen? Und wer spricht mit dem griesgrämigen Dachs. Oh, ich darf nicht krank werden!“

Da nahm der kleine Knoblauch all seinen Mut zusammen und rief: „Warte, ich kann Dir helfen!“
„Wer spricht denn da?“ fragte das Erdmännchen erstaunt. „Ach, Du. Du willst mir helfen? Na wie denn?“
Der kleine Knoblauch räusperte sich und befahl: „Lege mich über Nacht auf Deinen Hals und am Morgen bist Du wieder gesund!“

Das Waldmännchen war neugierig geworden und tat, was ihm empfohlen wurde. Als es dann tief und fest schlief, holte der kleine Knoblauch seinen winzigen Besen hervor und fegte mit kräftigen Schwingen die bösen Bazillen weg: „Husch, weg mit euch, husch, husch.“

Tatsächlich war das Waldmännchen am nächsten Morgen wieder gesund. Es versprach dem kleinen Knoblauch, ihm den grössten Wunsch zu erfüllen.
Mit glänzenden Augen flüsterte dieser: «Ich möchte gerne auch einmal eine Freude für die Menschen sein.»

Seine Bitte wurde ihm sogleich erfüllt: das Waldmännchen verwandelte den kleinen Knoblauch in einen leuchtenden Stern. In der Nacht hängte der Mond ihn behutsam an den besten Platz am Himmelszelt.

Ja, und wenn Du nun einen Stern siehst, der heller leuchtet als alle andern, dann weisst Du, dass es der kleine Knoblauch ist.


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