Vrede is

De Nederlandse vertaling van „Frieden ist“

als je in plaats van haat
liefde zaait,
als je in plaats van vijand
vriend tegen de ander zegt.

als in plaats van de sterke
de zwakke wint,
als in plaats van geweervuur
’n kaarsenvlam brandt.

als ’n vrouw in plaats van dom
als mens wordt behandeld,
als ’n rups in plaats van sterft
zich tot vlinder ontwikkelt.

als je in plaats van te oordelen
probeert te begrijpen,
als je in plaats van voorbij te lopen
bij ’n zoekende blijft staan.

als je in plaats van te slaan
iemand in je armen neemt,
als je ’n andersdenkende in plaats van ’n zot
als ’n mens bekijkt.

als je in plaats van ’n rolstoel
iemand’s binnenste ziet,
als je in plaats van treurig
gelukkig kunt zijn.

als je leeft in plaats van strijd
in stille harmonie
als dit gedicht in plaats van droom
werkelijkheid zal zijn.


Frede esch

Wenn Du statt Hass
Liebi saisch,
wenn Du statt Fend
Frönd zom andere seisch.

Wenn statt der Starki
dä Schwachi gwönnt,
wenn statt Gwehrfüür
en Cherzäflamme brönnt.

Wenn en Frau statt als domm
als Mönsch werd behandelt,
wenn en Raupe statt sterbt
sech zom Falter verwandelt.

Wenn Du statt verurteilsch
versuechsch z’verstoh,
wenn Du statt vorbigosch
bim Suechender blibsch stoh.

Wenn Du statt schlosch
dä Fend i d’Arme nemsch,
wenn Andersdankendi statt als Spenner
si aluegsch als Mönsch.

Wenn Du statt Rollstuehl
sis Ennere gsesch,
wenn Du statt truurig
glöcklech besch.

Wenn mer läbt statt en Striit
en steller Harmonie,
wenn das Gedecht statt Troum
werd Werklechkeit si.

(1982)


Frieden ist

Wenn Du statt Hass
Liebe säst,
wenn Du statt Feind
Freund zum anderen sagst.

Wenn statt der Starke
der Schwache gewinnt,
wenn statt Gewehrfeuer
eine Kerzenflamme brennt.

Wenn eine Frau statt als dumm
als Mensch wird behandelt,
wenn eine Raupe statt stirbt
sich zum Falter verwandelt,

Wenn Du statt verurteilst
versuchst zu verstehen,
wenn Du statt vorbeiläufst
beim Suchenden bleibst stehen.

Wenn Du statt schlägst
ihn in die Arme nimmst.
wenn Andersdenkende statt als Spinner
sie anschaust als Mensch.

Wenn Du statt Rollstuhl
sein Inneres siehst,
wenn Du statt traurig
glücklich bist.

Wenn man lebt statt in Streit
in stiller Harmonie,
wenn das Gedicht statt Traum
wird Wirklichkeit sein.
(1982)

Das Original ist in Mundart, zu finden unter Mundart.
Eine Niederländerin hat es mir damals übersetzt. Folge diese Link.


Sympathie den Aussenseitern

Aussenseiter,
die ihre Innenseite
nach aussen wenden.
Verletzlich und verwundbar bleiben!

Aussenseiter,
die im Winter
Frühlingskleider
tragen.
Immer wieder ans Unmögliche glauben!

Aussenseiter,
die zur Gattung
der aussterbenden Spezies
gehören.
Doch immer wieder neu auftauchen!

Aussenseiter,
derer grösstes Idol
das eigene Ich ist.
Und die über sich selber lachen!

Wie liebe ich euch
ihr Himmelsstürmer,
Tagträumer,
Sandkörner im Getriebe
der Monotonie!

(1991)


Das höchste Glück

(oder wenn Bauern zu sehr lieben)

Das höchste Glück auf Erden
ist bei den Pferden,
von Geburt bis zum Sterben
ein Ross zu werden.

Das höchste Glück bei den Kühen
ein Leben voll Gras ohne sich zu mühen.
Das höchste Glück bei den Schafen,
ein Leben mit Wolle und viel Schlafen.

Das höchste Glück bei den Schweinen
quitschvergnügt sein, ohne zu weinen.
Das höchste Glück bei den Geissen,
kleine schwarze Kügelchen zu schei…

Das höchste Glück bei den Hühnern
ein Misthaufen mit viel Würmern.
Das höchste Glück bei Katzen
ein Maudi mit weichen Tatzen.

Das höchste Glück bei den Affen
ein Leben ohne zu schaffen.
Das höchste Glück bei den Elefanten
wenig Besuch von den Tanten.

Das höchste Glück bei der Maus:
Hoffentlich geht der Käse nie aus.
Das höchste Glück bei der Fledermaus
ein Leben in Saus und Braus.

Das höchste Glück bei mir,
ich gebe es ja zu,
das bist nur du.

(1982)


Der Regenbogentraum

Damals vor endlosen Urzeiten heiratete Gott seine grosse Liebe, seine Göttin. Verliebt schlenderten sie im himmlischen Garten umher, der unter der geduldigen Hand der Göttin von einem farbigen Wunderwerk ins andere überfloss. Gott drückte seine Liebe zu ihr mit vielen kleinen Bildern, Schnitzereien und Töpfereien aus. Manchmal, wenn ihnen der Himmel, den sie von der Abendbank aus still betrachteten, leer vorkam, verzog er sich in seine kleine Werkstatt. Alsbald oder auch länger tauchte er dann verschmitzt vor seiner Göttin auf; die eine Hand hielt er hinter seinem Rücken versteckt. Sie konnte es kaum erwarten, bis er ihr das neue Präsent zeigte. Mal war es ein Komet, der für einen unvergesslichen Moment lang den Nachthimmel in einen Paradiesvogel verwandelte. Oft waren es auch unvergängliche Geschenke. Kurz nach der Hochzeit schenkte er ihr Sonne, Mond und Sterne. Er erklärte ihr: „Die Sonne wird dich durch den Tag begleiten, Mond und Sterne werden im Nachthimmel ihre leuchtenden Kreise ziehen!“

Immer wieder war es dann die Göttin, welche diese Geschenke vollkommen machte. Vorsichtig sammelte sie im Garten die Tautropfen ein und träufelte diese auf die kleinen Kunstwerke. Das Glitzern, das sie nun staunend betrachten konnten, spiegelte sich auch in ihren Herzen! In der Zeit kurz vor dem ersten Hochzeitstag war Gott besonders eifrig. Zuerst suchte er sich aus den Planeten, die er später noch modelliert hatte, den schönsten heraus. Er legte ihn auf die Werkbank. Darauf wanderte er lange im Garten umher und nahm die Gedanken mit, die seine Seele berührten. In liebevoller Kleinarbeit bastelte er tage- und nächtelang am kleinen Planeten herum. Um das Wasser, das ihm als Wichtigstes erschien, schuf er eine farbige und fruchtbare Natur. Die Pflanzen waren kleine Imitationen des himmlischen Gartens. Er schnitzte Tiere, während er an all die Liebe, die ihm seine Frau gab, dachte. Als letztes formte er zwei Gestalten aus Lehm. Die eine glich ihm, die andere war ein Ebenbild seiner Frau. Seine Göttin hatte Tränen in den Augen, als er ihr sein Meisterwerk zeigte. Ein inniger Kuss und eine Umarmung, die ein Mondlächeln-lang dauerte, war der kleine Dank dazu. Vorsichtig hängten sie den kleinen Planeten an seinen Platz zurück. Doch irgend etwas fehlte noch. Die Göttin holte ein leeres Seifenblasen-Fläschchen. Gemeinsam gingen sie in den Garten und füllten es mit seinen Farben und seinen zärtlichen Erinnerungen, die er ausstrahlte. Ein Kuss von beiden und das Fläschchen war voll. Hand in Hand besuchten sie den Planeten und liessen das Seifenblasenspiel über ihn tanzen. Nun spürte Gott, was er in seinem praktischen Tun vergessen hatte- er hatte dem Planeten keine Seele eingewoben.

Ein wenig weit war der Weg zu diesem Planeten, den sie „Erde“ tauften. Und so schuf Gott eine Brücke aus sechs Farben. Das waren: Violett, Blau, Grün, Rot, Orange und Gelb. Die Farben legte er sachte übereinander, bis ein Regenbogen entstand. Er holte seine Frau aus ihrer Gartenarbeit heraus und stolz führte er sie über diese Brücke. Der Regenbogen und der Himmel zitterten leise und die beiden Menschen auf der Erde hielten ehrfürchtig den Atem an.

Die Jahre vergingen. Gott und seine Frau wurden älter. Die Menschen auf der Erde wurden derer viele. Gott hatte ihnen damals die Kraft der Liebe geschenkt, die es ihnen möglich machte, neu in ihren Kindern aufzugehen. Und so lebten sie viele Jahre so, waren beseelt und der Herzschlag der Liebe lebte in Allem. Eines Tages fehlte dem Regenbogen eine Farbe. Gott wurde sehr traurig. Seine Frau tröstete ihn, dass er ja noch die anderen Farben habe. „Wenn das nur gut geht!“ seufzte Gott. Seine düsteren Ahnungen bestätigte sich. Bald fehlte auch die nächste und der Regenbogen wurde sehr brüchig.

«Vielleicht hast du sie mit den vielen Farben überfordert. Vielleicht müssen sie sich jetzt an eine halten!“ meinte die Göttin, doch Gott wurde immer nachdenklicher. Bald war auch letzte Farbe verschwunden und die Erde lag weit weg. Gerade jetzt wäre diese Brücke nötig gewesen. Auf der Erde passierten schlimme Dinge, die Gott krank machten: Jedes Volk hatte eine Farbe genommen und mit ihr eine dunkle Mauer um sein Reich gezogen. Die Menschen begannen Kriege miteinander zu führen. Jedes Volk behauptete, seine Farbe sei die einzig wahre. Die Leute wurden blind vor Hass. In ihren Herzen erlosch langsam der Pulsschlag von Gottes Seele. Ein wüstes Geschrei mussten Gott und Göttin hören. Er wurde noch kränker und zog sich in seine Kammer zurück. Selbst die Gemüsesuppe, die ihm seine Frau gekocht hatte, liess er stehen. Lange stand die Göttin an ihren gemeinsamen Lieblingsplatz, wo man weit über die Erde schauen konnte. Sie fühlte einen riesengrossen Schmerz in sich aufsteigen. All diese gemeinsame Liebe von ihr und ihrem Mann, die auf der Erde pulsierte. Doch die Menschen hatten den Rhythmus mit Gewehren und Granaten in Stücke gerissen und ihn in ein zerhacktes Staccato zerfetzt. Zum Glück hatte sie noch den Garten. Dieser zeigte ihr auch, dass in jedem Winter auch bereits das Samenkorn des Frühlings schlummert.

Eines besonders schönen Herbsttages kam die Göttin aufgeregt ins Haus und führte ihren Mann hinaus. Seine Augen füllten sich mit Tränen, als er den kleinen Regenbogen sah. Gewiss, es waren nur zwei Farben, grün und violett, die ineinandergeflochten waren, aber der Regenbogen lebte und führte von der Erde bis zum Himmel hinauf. „Schau,“ sagte die Göttin. «Zwei Menschen haben sich in Liebe zueinander gefunden!“ „Aber was ist daran Besonderes? Das war doch immer so.“

„Nicht so wie dieses Mal. Die beiden entstammen aus zwei verschiedenen Kreisen. Sie mussten zuerst ihre eigenen Mauern durchbrechen, doch die Liebe war stärker als die Mauer um sie herum!“ Ihre Stimme überschlug sich fast vor freudiger Erregung: „Als sie spürten, wie die Liebe ihnen den Pulsschlag der Seele zurückgab, schenkten sie einander das Wertvollste, was man sich unter den Menschen geben kann. Ja, mein Lieber, stell dir vor, ihre eigenen Farben gaben sie einander, als Zeugnis ihrer grossen Liebe!“

Gott hätte, wenn er noch jünger gewesen wäre, glattwegs einen Purzelbaum geschlagen. Eilig lief er nach Hause und spürte, wie die Hoffnung neu in ihm aufstieg.

(1992)


Eine Blattbetrachtung

Es war einmal ein Blatt, dem wurde alles viel zu viel mit all diesen vielen Blattadern und –äderchen. Ihm genügte die Hauptachse: schön senkrecht, schön waagrecht, da wusste es, woran es war. Die anderen Adern, die in alle Richtungen flossen, verwirrten es nur.
Das Blatt beschloss Ordnung zu schaffen. Es klemmte alles ab, was nicht zur Hauptachse gehörte.

Es war einmal ein Blatt, das starb mitten im Sommer, weil es meinte, die absolute Wahrheit gefunden zu haben. An den Rändern wurde es braun, das einst frische Grün wurde leer. Zuletzt blieb nur noch die Hauptachse als trauriges Mahnmal zurück.

Es war einmal ein Mensch, dem wurde alles viel zu viel mit all diesen vielen Religionen, Ideologien und Meinungen. Ihm genügte eine – schön aufrecht und schön waagrecht. Da wusste er, woran er war.


So bekämpfte er rigoros alles, was von dieser Hauptlinie abwich. Es war einmal ein Mensch, der wurde an den Rändern braun und innerlich leer.
Im Gegensatz zum Blatt lebte der Mensch weiter und vermehrte sich sogar, bis es unzählige wurden, die nur noch auf ihre Hauptachse schworen. Ein neues Geschlecht ward geboren: der „Homo intolerans“. Man sieht ihn überall, er kämpft mal für dies und mal für das. Oft merkt er gar nicht einmal, dass er sich eigentlich um die gleiche Hauptachse wie die anderen streitet. Wo ihm die Argumente ausgehen, schafft er sich mit Schlagwörtern Gehör.


Wenn man um sich schaut, könnte man meinen, die Welt bestünde nur noch aus leerem Geschrei. Und doch, es gibt sie noch: Die Stillen, die Leisen, die den feinen Äderchen folgen, auch wenn sie sich ab und zu verirren. Die auch andere Argumente versuchen zu verstehen, auch wenn es sie verwirrt.


Denn da war Einer, der lebte für all diese kleinen Blattadern und –äderchen. Er wurde nicht müde, die Einheit des ganzen Blattes zu lehren. Doch die Blinden kreuzigten ihn; nagelten ihn ausgerechnet an die Hauptachse. So hing Jesus- zuerst als ein trauriges Mahnmal. Aber er überwand die Totenstarre. Er blies der Hauptachse neues Leben ein. Damit wir wieder aufrecht gehen können, mit weit ausgestreckten, waagrechten Händen, offen für andere.