Dein Leben in Fülle

Und
Du schenkst mir
das Leben in Fülle
reich und überschwänglich.
Aus meinem vollen Stundenglas
perlen kostbar glänzende Momente
über.

Und
selbst in meinen
dunklen Stunden
bist du nah bei mir,
legst verheissungsvolle Worte
in meinen Wunden
sanft.

Und
ich lebe achtsam
meinen Traum,
von Dir geschenkt.
Reibe mich an meinen
Ecken und Kanten,
Du bist bei mir
aus Liebe
ganz.

Dankstelle

Ich sage Danke an dieser Stelle
für das kleine Samenkorn,
ein unscheinbarer Hauch bloss,
ein leises Erbarmen.
Und doch, es wächst, wird gross-
eine reiche Ernte halte ich in den Armen.

Ich sage Danke an dieser Stelle
für den glänzenden Regentropfen,
ein Wunder voller Farben,
er schenkt Leben im Kleinen.
Und für den kleinen Sonnenstrahl,
der mich neckisch an der Nase kitzelt.

Ich sage Danke an dieser Stelle
für den Frühling, der meinen Kokon sprengt,
für den Sommer, mit seinen langen Nächten
und seiner unbeschwerten Fröhlichkeit,
für den Herbst, der mir seine
Lebensfülle gibt und für den
Winter, der mich zur Stille einlädt.

Ich sage Danke an dieser Stelle
für das Kind, das mich zum Staunen bringt,
für den Teenager mit seinem
unbändigen Drang zum Leben,
und für den Menschen an meiner Seite,
der mein Leben mit all seinen Facetten teilt.

Ich sage Danke an dieser Stelle
für mein Leben mit all seinen
Höhen und Tiefen, mit seinen
vielen unerwarteten Wendungen,
es gewinnt wohl nie einen Schönheitspreis,
doch ich liebe es, es ist meines.

Ich sage Danke an dieser Stelle
für jede Falte im Gesicht,
jede einzelne ist eine Lebensspur
aus gelebten Tagen und erfüllten Träumen,
sie zeigen mir, das Leben ist schön,
trotz dem vielen, das Narben hinterlässt.

Ich sage Danke an dieser Stelle
für den Gevatter Tod,
er lässt mich nicht allein:
Wenn ich diesen letzten Schritt gehe,
nimmt er mich an der Hand
spricht er mein Amen,
wenn ich verstumme.

Urvertrauen

Wie oft bist du gefallen
und doch immer wieder aufgestanden.
Mit jedem Aufstehen wächst ein
Stück Urvertrauen,
das Netz, das dich trägt,
wird stärker und hält.

Wie oft fühlst du dich
verschwindend klein,
ein Staubkorn im Raum der Unendlichkeit.
Und hoffentlich ebenso oft,
spürst du das Lächeln des ewigen Geistes,
das dein Herz flutet
und dich gross und stark macht.

Es ist das Urvertrauen Gottes,
das dich auffängt, wenn du fällst.

Ruhe finden

Ottilien-Kirchlein, Obertüllingen D

Im Verzeichnis der mythischen Orte am Oberrhein zu finden.

Du lädst mich
zum Verweilen ein,
ich finde deine Ruhe hier
und begegne dich
mit all meinen Sinnen.
Ich spüre den Pulsschlag
wie ein Uhrwerk,
das einst und jetzt
und ewig schlägt.

Ich lege in deine Hände
meine Sorgen, meine Ängste,
all das dunkle, schwere,
das mich engt und
mich am Leben zweifelt.
Du verwandelst meine Last
in bunte Hoffnung
und neuen Mut.

Sternengebet

Lieber Gott

Manchmal da bin ich dir ganz nah
fühle mich berührt von dir
tauche ein in deine Wahrheit,
werde leise, werde ganz ruhig.
Und dann wieder bin ich
Lichtjahre von dir entfernt
und du bist mir fremd.
Ich lausche nach deinen Worten
doch höre ich nur ein Rauschen.
Ich bin ein kleiner Stern
umkreise dich, bin bei dir,
bin dir ganz fern.
Doch ich kann nicht lassen von dir.

Amen

Narrengebet

Lieber Gott

Ich bin ein Narr, ein Suchender
ein Lebenszweifler, mir selber fremd.
Durstig nach deiner Wahrheit,
will ich oft viel zu viel und verrenne mich.
Manchmal, da bin ich riesengross
und doch zu klein für deine Liebe,
manchmal, da bin ich winzig klein
und doch zu gross für dein Erbarmen.
Nimm mich an der Hand, trage meine Last,
sprich zu mir deinen Segen.

Amen

Sternschnuppe

Damals
als die Nacht mit ihrem Farbenspiel
die Erde streichelte,
sie sanft in den Schlaf wiegte
und
der Mond am Horizont
in die Unendlichkeit wanderte,
tauchtest du mir
als Sternschnuppe auf,
warst
heller als all die andern Sterne
und zeigtest mir einen Herzschlag lang
Utopia, Land der Erfüllung.
Noch
ehe ich verzaubert, verwundert
den Traum mir aus den Augen reiben konnte,
verschwandest du wieder in der Nacht
zurück.
Bei mir
blieb nur der Hauch von Wunder.

( Sommer 1986)

Atemgebet

Ottilien-Kirchlein, Obertüllingen D

Im Verzeichnis der mythischen Orte am Oberrhein zu finden.

Einatmen

Ich betrete deinen Raum,
du schaffst Raum in mir,
weitest meine Seele.
Ich stehe mit beiden Beinen
fest auf dem Boden,
spüre eine Verbundenheit
mit all den vielen Gebeten,
den gesagten, den stummen,
den verzagten, den leisen.
Du berührst mich zärtlich,
als wäre ich eine Harfenseite
und du der Spieler, der verzaubert.
Ich lasse den Ton ausklingen
und nehme ihn mit hinaus.

Ausatmen

Ich verlasse deinen Raum,
doch du bleibst bei mir,
als ein Ton, als ein flüchtiger Gedanke,
als ein grosser wärmender Trost.
Du führst mich hin zu den Linden,
als ein Vogellied, als ein leiser Wind
als ein fröhliches Kinderlachen.
Ich stehe mit beiden Beinen
fest auf dem kiesgesäumten Platz,
bin eins mit all den vielen Pilgern,
den Verliebten und den Verlassenen.
Meine Augen berühren den Himmel,
mein Dank an dich tanzt mit den Schwalben,
spielt mit den Drachen draussen auf dem Feld.