Eine verliebte Welle
an der Nordseeküste
schüchtern sie küsste
eine andere auf die Schnelle.
Es klatschte die Flut,
rot wurde der Hai,
die Ebbe fand es weniger gut,
sie war ja nicht dabei.
Autor: wordsatelierat
Wohin geht die Stille
Wohin geht die Stille,
wenn der Lärm kommt?
Sie bleibt und
wartet geduldig,
wie das weiche Wasser,
das den Stein abträgt.
Ein Mann kann noch so laut schreien,
und doch, irgendeinmal verstummt er.
Der Frühling kündigt sich nicht
mit Pauken und Trompeten an,
sondern mit dem ersten Grün
und dem leisen Knospentreiben.
Die Stille ist stärker
als der Lärm
und bleibt.
Der knorrige Baum
Wie ein Hutzelmännchen
wirfst du knorrig und zerzaust
deine Äste in den Wind.
Wurzel tief und fest,
trotzt du jedem Sturm.
Da sind so viele Narben,
so viele Brüche und Risse,
ein Seufzen und Klagen,
ewiges Wünschen und Sehnen,
und ein Warten auf diesen
einen, allerletzten Frühling noch.
Und doch- aus Wunden
treibt es neu und trotzig,
im alten Holz erwacht ein Traum,
eine kleine Knospe verschenkt sich.
Und du weisst, es wird nicht
diese eine letzte sein.
(2. Januar 2022)
Reiss die Himmel auf
Adventsmeditation 21
Der Himmel so weit weg
und das Herz so schwer,
irre ich durch die Nacht.
Gott, ich klage zu dir.
Das Jahr so lang,
und die Beine so schwer
suche ich Halt und Licht.
Gott, wo bist du?
Herr reiss die Himmel auf
steig herab von deinem Thron
komm aus deiner Ferne
zu mir in meine Nähe.
Halte mich fest und geborgen,
gib mir deine starke Schulter,
leuchte mir und zeige mir
den Weg aus dem Jammertal.
Der Rosenzweig, der im Dunklen liegt
er ist nicht tot, er atmet ein und wartet,
macht sich bereit, Wurzel um Wurzel
und treibt seine Knospen ans Licht.
Meine begrabenen Träume und Hoffnungen,
sie schlafen ihren Wintertraum,
und eines Tages, vielleicht auch morgen,
wachen sie auf, gestärkt zum Leben.
Der Himmel so nah
und das Herz so leicht,
brennt ein Licht in mir,
dekoriert mit Sternenglanz.
Und die Christrose blüht
so unverhofft im Advent.
Sei du mein Leitstern
der zu Krippe führt.
Der universelle David
(In Anlehnung an Donovans «Universal Soldier»)
Er ist gross, er ist klein, er ist jung, er ist alt,
er kämpft mit einem Lächeln auf dem Gesicht,
ihn lässt das Elend nicht kalt,
und doch verliert er die Hoffnung nicht.
Er ist ein Träumer, ein Spinner, ein Fantast,
er ist ein Denker, ein Werker, ein Realist,
und er weiss, diese Welt trägt zu viel Ballast,
und er weiss, dass jedes Engagement nötig ist.
Er kämpft für die Schwachen, er kämpft für Gerechtigkeit,
er kämpft für Greenpeace, er kämpft für die Natur,
er kämpft für eine neue Velospur,
und er ist überzeugt von seiner Richtigkeit.
Und er ist einer, der für die Indianer und die Frauen einsteht,
er wünscht sich einen waffenlosen Frieden auf der Welt,
er fragt nicht nach dem Geld
er ist einer, der seinen ureigenen Weg geht.
Und ohne ihn gäbe es keine Wälder mehr,
ohne ihn hätten die Unterdrückten keine Stimme.
Er ist einer, für den sind seine Gedanken sein Speer,
er schaut auf ideelle, nicht auf materielle Gewinne.
Er ist der universelle David,
er vertraut auf Gott und auf sich,
er kommt von hier und da, ist niemands Mitglied,
hey du, kannst du sehen, er wartet auf dich.
(1992)
Herbstfall
Mit stürmischer Eleganz
verlor der Baum seine Blätter ganz.
Er steht nun kahl und frierend im Land
und wünscht sich, er wäre im warmen Griechenland.
Vrede is
De Nederlandse vertaling van „Frieden ist“
als je in plaats van haat
liefde zaait,
als je in plaats van vijand
vriend tegen de ander zegt.
als in plaats van de sterke
de zwakke wint,
als in plaats van geweervuur
’n kaarsenvlam brandt.
als ’n vrouw in plaats van dom
als mens wordt behandeld,
als ’n rups in plaats van sterft
zich tot vlinder ontwikkelt.
als je in plaats van te oordelen
probeert te begrijpen,
als je in plaats van voorbij te lopen
bij ’n zoekende blijft staan.
als je in plaats van te slaan
iemand in je armen neemt,
als je ’n andersdenkende in plaats van ’n zot
als ’n mens bekijkt.
als je in plaats van ’n rolstoel
iemand’s binnenste ziet,
als je in plaats van treurig
gelukkig kunt zijn.
als je leeft in plaats van strijd
in stille harmonie
als dit gedicht in plaats van droom
werkelijkheid zal zijn.
Frede esch
Wenn Du statt Hass
Liebi saisch,
wenn Du statt Fend
Frönd zom andere seisch.
Wenn statt der Starki
dä Schwachi gwönnt,
wenn statt Gwehrfüür
en Cherzäflamme brönnt.
Wenn en Frau statt als domm
als Mönsch werd behandelt,
wenn en Raupe statt sterbt
sech zom Falter verwandelt.
Wenn Du statt verurteilsch
versuechsch z’verstoh,
wenn Du statt vorbigosch
bim Suechender blibsch stoh.
Wenn Du statt schlosch
dä Fend i d’Arme nemsch,
wenn Andersdankendi statt als Spenner
si aluegsch als Mönsch.
Wenn Du statt Rollstuehl
sis Ennere gsesch,
wenn Du statt truurig
glöcklech besch.
Wenn mer läbt statt en Striit
en steller Harmonie,
wenn das Gedecht statt Troum
werd Werklechkeit si.
(1982)
Frieden ist
Wenn Du statt Hass
Liebe säst,
wenn Du statt Feind
Freund zum anderen sagst.
Wenn statt der Starke
der Schwache gewinnt,
wenn statt Gewehrfeuer
eine Kerzenflamme brennt.
Wenn eine Frau statt als dumm
als Mensch wird behandelt,
wenn eine Raupe statt stirbt
sich zum Falter verwandelt,
Wenn Du statt verurteilst
versuchst zu verstehen,
wenn Du statt vorbeiläufst
beim Suchenden bleibst stehen.
Wenn Du statt schlägst
ihn in die Arme nimmst.
wenn Andersdenkende statt als Spinner
sie anschaust als Mensch.
Wenn Du statt Rollstuhl
sein Inneres siehst,
wenn Du statt traurig
glücklich bist.
Wenn man lebt statt in Streit
in stiller Harmonie,
wenn das Gedicht statt Traum
wird Wirklichkeit sein.
(1982)
Das Original ist in Mundart, zu finden unter Mundart.
Eine Niederländerin hat es mir damals übersetzt. Folge diese Link.
Sympathie den Aussenseitern
Aussenseiter,
die ihre Innenseite
nach aussen wenden.
Verletzlich und verwundbar bleiben!
Aussenseiter,
die im Winter
Frühlingskleider
tragen.
Immer wieder ans Unmögliche glauben!
Aussenseiter,
die zur Gattung
der aussterbenden Spezies
gehören.
Doch immer wieder neu auftauchen!
Aussenseiter,
derer grösstes Idol
das eigene Ich ist.
Und die über sich selber lachen!
Wie liebe ich euch
ihr Himmelsstürmer,
Tagträumer,
Sandkörner im Getriebe
der Monotonie!
(1991)
